Darf man während einer Chemotherapie Sport treiben?
Dem Krebs kann man sicher nicht davon laufen. Trotzdem sind immer mehr Krebspatienten sportlich aktiv, weil die Bewegung ihr Wohlbefinden steigert. Was aber darf man und was darf man nicht? Die zu diesem Thema immer wieder auftauchenden Fragen haben wir hier für Sie zusammengestellt und beantwortet.
Ab wann darf ein Krebspatient wieder Sport treiben?
Noch bis vor wenigen Jahren lautete unsere Empfehlung: Frühestens sechs
Monate nach dem Ende einer Chemo- oder Strahlentherapie. Diese Einstellung
hat sich inzwischen geändert. Wenn Sie so wollen, sind wir Ärzte
heute mutiger geworden. Es existieren zwar noch keine wirklich eindeutigen
Daten. Aber offenbar nutzt der Sport den Patienten in vielerlei Hinsicht, wenn
zwei Voraussetzungen erfüllt sind: erstens muss die gewählte Sportart
Spaß machen und zweitens sollte die körperliche Belastung eher mäßig
sein, Spitzenbelastungen sind zu vermeiden.

Gibt es eine Vorstellung darüber, wie der Sport wirkt?
Aus Untersuchungen an Sportlern weiß man, dass kontrollierte körperliche
Aktivität das Immunsystem stärkt, die Sauerstoffversorgung der Zellen
und des gesamten Organismus verbessert. Sportlich aktive Menschen fühlen
sich insgesamt wacher und leistungsfähiger. Allerdings weiß man
aus diesen Untersuchungen auch, dass ein Zuviel an Sport eher schadet. Das
Immunsystem ist dann überfordert, der übertrainierte Mensch wird
anfälliger für Infektionen.
Warum profitieren gerade Krebspatienten vom Sport?
Im Prinzip aus denselben Gründen. Sportlich aktive Patienten fühlen
sich weniger schlapp und müde, die häufig beschriebene Fatigue, also
die krankheits- und therapiebedingte Müdigkeit, kommt bei ihnen seltener
vor. Außerdem, und das ist das Wichtigste: die Patienten spüren
selbst, dass sie trotz ihrer Krankheit noch leistungsfähig sind. Der Sport
lenkt sie von der Erkrankung ab, sie sind weniger schmerzempfindlich, kurz:
Sie steigern mit dem Sport ihr allgemeines Wohlbefinden.
Welche Sportarten können Sie empfehlen?
Grundsätzlich alles, was Spaß macht. Aber: Es geht nicht darum,
die körperlichen Grenzen auszuloten. Körperliche Bewegung soll aufbauen
und nicht schlauchen. Das bedeutet auch, dass man sich zum Sport nicht zwingen
darf. Wer sich zu schwach oder zu unwohl fühlt, der sollte sich unbedingt
solange ausruhen, wie er oder sie es selbst für nötig hält.
Verraten Sie uns noch, welche Sportarten sinnvoll sind?
Viele Patienten fahren gerne Rad oder praktizieren das so genannte Nordic
Walking, also das zügige Gehen mit zwei Stöcken. Einige joggen gerne und es
gibt auch Patienten, die rudern.
Darf tatsächlich jeder Krebspatient Sport treiben?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Voraussetzungen bei den
einzelnen Patienten sind zu unterschiedlich. Vorsicht ist sicher geboten, wenn
Knochenmetastasen vorliegen. Denn in solchen Fällen kann das Frakturrisiko
sehr hoch sein.
Kann man auch während einer Chemo- oder Strahlentherapie Sport treiben?
Prinzipiell ist dagegen nichts zu sagen. Es gibt einige kleinere Untersuchungen,
wonach sich die Nebenwirkungen einer Chemotherapie durch moderate sportliche
Aktivität besser ertragen lassen. Ähnliches gilt für Patienten,
die sich gerade einer Strahlentherapie unterziehen müssen. Wichtig ist
die regelmäßige ärztliche Überwachung solcher Patienten.
Wenn ich als Patient nun eine Sportart ausprobieren möchte: Wie fange ich konkret an?
Zunächst besprechen Sie das Vorhaben mit Ihrem Arzt. Ob Sie sporttauglich
sind oder nicht, wird sich möglicherweise schon auf Grundlage der verfügbaren
Untersuchungsergebnisse beurteilen lassen. Vielleicht ist eine zusätzliche
sportmedizinische Untersuchung sinnvoll, bei der beispielsweise Ihre individuelle
Belastungsgrenze ermittelt wird. Falls Sie prinzipiell sporttauglich sind,
geht es schließlich darum, das richtige Angebot zu finden. Manche Sportvereine
beziehungsweise Fitnessstudios bieten mittlerweile „sanfte Sportarten“ wie
Nordic Walking oder auch ein spezielles Bewegungsprogramm für Krebspatienten
an.
Wann sollte man als Krebspatient keinesfalls Sport treiben?
Eine Hochdosis-Chemotherapie oder eine andere sehr aggressive Chemotherapie
kann unter Umständen die Abwehrkräfte so weit schwächen, dass
die Infektionsgefahr durch körperliche Anstrengung weiter wächst.
Auch nach größeren Operationen ist Sport tabu. Herzkreislauf-Probleme
sind kein absoluter Hinderungsgrund, es ist aber immer wichtig, auf das richtige
Maß zu achten und die individuelle Belastungsgrenze keinesfalls zu überschreiten.
Datenschutzerklärung
Letzte Aktualisierung: 3. Februar 2012


