ribosepharm
Impressum Bookmark Kontakt Sitemap
Servicebereich - News

04/2010 - Adjuvante Kolonkarzinomtherapie: Wie aussagekräftig ist der Endpunkt progressionsfreies Überleben?

 

Trotz verlängerter Überlebensdauer von Kolonkarzinompatienten korreliert das progressionsfreie Überleben weiter gut mit dem Gesamtüberleben – allerdings sind jetzt längere Nachbeobachtungszeiten erforderlich, um diese Assoziation nachzuweisen.

 

Als 5-Fluorouracil/Folinsäure die Standardtherapie des Kolonkarzinoms waren, wurde das progressionsfreie Überleben als Surrogat-Marker für das Gesamtüberleben entwickelt. Die Korrelation war gut, doch wie sieht es heute aus? Oxaliplatin, Irinotecan, Bevacizumab, Cetuximab und Panitumumab haben die therapeutischen Möglichkeiten erweitert und verlängerten die mittlere Überlebensdauer nach Rezidiven von einem Jahr auf etwa 2 Jahre.

 

Um die Korrelation zwischen progressionsfreiem Überleben und Gesamtüberleben bei unterschiedlichen Überlebenszeiten nach dem Auftreten eines Rezidivs zu untersuchen, nutzte ein internationales Forscherteam den ACCENT-Datensatz, der die individuellen Daten von 20.898 Patienten aus 18 adjuvanten 5-Fluorouracil-Kolonkarzinom-Studien der Jahre 1978 bis 1999 umfasst. Die Autoren verglichen die tatsächliche Korrelation der ACCENT-Patienten mit dem Zusammenhang bei hypothetischer Annahme einer verdoppelten Überlebensdauer nach einem Rezidiv.

 

7.402 der 20.898 Patienten (35 %) hatten ein Rezidiv. In der Original-Auswertung korrelierte das progressionsfreie Überleben nach 3 Jahren stark mit dem Gesamtüberleben nach 5 Jahren (R2: 0,75), 6 Jahren (R2: 0,78) und 7 Jahren (R2: 0,82). Unter der hypothetischen Annahme einer verdoppelten Überlebensdauer nach einem Rezidiv nahm der Zusammenhang zwischen progressionsfreiem Überleben nach 3 Jahren und Gesamtüberleben nach 5 Jahren erheblich ab (R2: 0,51), die Vorhersagewerte für das Überleben nach 6 Jahren (R2: 0,67) und 7 Jahren (R2: 0,70) waren aber weiter gut – allerdings weniger gut als in der Originalauswertung.

 

Fast dieselben Effekte wurden bei der Assoziation zwischen dem progressionsfreien Überleben nach 2 Jahren und dem Gesamtüberleben nach 5, 6 und 7 Jahren ermittelt. In den Originaldaten betrugen die Korrelationskoeffizienten 0,73, 0,77 und 0,80, bei der hypothetischen verdoppelten Überlebenszeit noch 0,51, 0,67 und 0,70.

 

Auch das Stadium des Kolonkarzinoms spielt eine Rolle. Bei Patienten, die ursprünglich im Stadium II waren, sank bei verdoppelter Überlebensdauer nach einem Rezidiv die Korrelation zwischen progressionsfreiem Überleben nach 3 Jahren und Gesamtüberleben nach 5 Jahren von 0,57 auf 0,38. Die Korrelation mit dem 6- und 7-Jahresüberleben (0,53 und 0,49) war etwas besser. Im Stadium III war wegen der insgesamt höheren Mortalität die Korrelation stärker (nach 5 Jahren 0,84 in den Originaldaten; bei verdoppelter Überlebensdauer: 0,55 nach 5 Jahren, 0,69 nach 6 Jahren und 0,72 nach 7 Jahren).

 

Wegen der verlängerten Überlebensdauer der Kolonkarzinompatienten steigt die Bedeutung früher Studienendpunkte mit gutem Vorhersagewert, um eine effiziente und zeitnahe Beurteilung potenziell lebensverlängernder adjuvanter Therapien zu ermöglichen, erklären die Autoren. Die vorliegende Analyse spricht für die weitere Verwendung des progressionsfreien Überlebens als echtem klinischem Endpunkt und nicht nur als Surrogat-Parameter.

 

Quelle: de Gramont A, et al. Association between disease-free survival and overall survival when survival is prolonged after recurrence in patients receiving cytotoxic adjuvant therapy for colon cancer: simulations based on the 20.800 patient ACCENT data set. J Clin Oncol 2010; 28: 460-465