Welche Rolle spielen die Krebsmedikamente (Zytostatika)?
| Die Zytostatika selbst haben den wichtigsten Einfluss auf das Chemotherapie-bedingte Erbrechen, abhängig von der Art der Substanz, ihrer Dosierung, der Art, wie sie verabreicht werden (d. h. als Infusion oder als Tablette) und der Dauer der Anwendung. |
Viele Zytostatika führen zu akutem Erbrechen. Die Beschwerden können schon unmittelbar nach der Einnahme beginnen, in der Regel erreichen sie nach etwa 4-10 Stunden ihren Höhepunkt und halten typischerweise für 24 Stunden an. Werden Zytostatika kombiniert, kann das Risiko für Erbrechen weiter steigen. Etwa 85 % aller Chemotherapieschemata führen ohne Vorbeugung zu Übelkeit und Erbrechen. Mit zunehmender Zahl der Behandlungszyklen kann das Risiko weiter zunehmen.
Die verschiedenen Zytostatika führen unterschiedlich häufig zu Übelkeit und Erbrechen
- Manche Medikamente wie Dacarbazin und Cisplatin führen fast immer zu Übelkeit und Erbrechen.
- Bei Cisplatin, Carboplatin, Cyclophosphamid, Daunorubicin, Ifosfamid, Mitomycin und Procarbazin ist zunächst mit akutem und in der Folge mit verzögertem Erbrechen zu rechnen.
- Bei einigen Substanzen (z. B. Carboplatin, Cyclophosphamid, Melphalan) tritt Übelkeit und Erbrechen verzögert auf.
- Cisplatin führt besonders häufig zu verzögertem Erbrechen - bis zu 5 Tage nach der Chemotherapie, in Einzelfällen auch später.
Hesketh et al.1 (siehe Tabelle) haben die verschiedenen Medikamente fünf Risikoklassen zugeordnet, je nachdem, wie viele Patienten nach deren Einnahme unter Übelkeit und Erbrechen leiden:
| Hohes Risiko: Klasse 5: > 90 % der Patienten sind betroffen Mäßiges Risiko: Klasse 4: 60-90 % und Klasse 3: 30-60 % Geringes Risiko: Klasse 2: 10-30 % Minimales Risiko: Klasse 1: < 10 % |
Quelle:
1Hesketh PJ, Kris MG, Grunberg SM, et al. Proposal for classifying
the acute emetogenicity of cancer chemotherapy. J Clin Oncol 1997; 15 (1):
103-9.
Wie häufig (% der betroffenen Patienten) führen Zytostatika zu Erbrechen?
| Stufe | Häufigkeit des Erbrechens [%] | Substanzen |
| 5 | > 90 | Altretamin Hexamethylmelamin (oral) |
| 4 | 60 - 90 | Amifostin > 500 mg/m2 Cytarabin > 1g/m2 |
| 3 | 30 - 60 | Amifostin 300-500 mg/m2 Idarubicin |
| 2 | 10 - 30 | Amifostin <= 300 mg Fluorouracil < 1000 mg/m2 |
| 1 | < 10 | Alemtuzumab Interferon alpha |
Quelle:
Hesketh PJ, Kris MG, Grunberg SM, et al. Proposal
for classifying the acute emetogenicity of cancer chemotherapy. J Clin Oncol
1997; 15 (1):
103-9.
Modifiziert nach NCCN Practice Guidelines V.1.2007 und nach MASCC Guidelines,
Annals of Oncology 17:20-28, 2006.
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Letzte Aktualisierung: 3. Februar 2012


